Neue Veranstaltungsreihe „Vietnam“

50 Jahre nach 1968 widmet sich diese Reihe Vietnam und wirft einen Blick auf die komplexe soziale, wirtschaftliche und ökologische Situation des Landes. Die Empörung über den Vietnamkrieg war im Westen ein wesentliches Moment der studentischen Proteste jener Zeit und einer sich entwickelnden internationalistischen Solidaritäts-Bewegung. Doch nach Ende des Krieges 1975 wendeten sich große Teile der Solidaritätsbewegung anderen Ländern zu – Vietnam entschwand der medialen Aufmerksamkeit. Dabei waren die Aufgaben, denen sich das Land nach Kriegsende gegenübersah, gewaltig: Die Überwindung kolonialer Strukturen, der Wiederaufbau nach Jahrzehnten des Krieges, die Vereinigung von Nord- und Südvietnam, die verheerenden ökologischen Folgen des massiven Einsatzes des Entlaubungsmittels Agent Orange durch die USA im Krieg. All das vor dem Hintergrund des Kalten Krieges. Dieser prägte das Verhältnis zwischen Deutschland und Vietnam durch die Migration vieler vietnamesischer Menschen. In die BRD kamen nach 1975 vor allem sogenannte Boat-People, die nach der Kapitulation des prowestlichen südvietnamesischen Regimes aus dem Land flohen. In die DDR kamen hingegen tausende Vertragsarbeiter*innen, die zeitlich befristet dort arbeiten sollten.
Im offiziell immer noch sozialistischen Vietnam hat sich die Kommunistischen Partei ihr politisches Monopol erhalten. Auf der ökonomischen Ebene aber hat sich das Land seit Ende der 80er Jahre gegenüber dem Weltmarkt geöffnet und private Betriebe und ausländische
Investitionen ermöglicht. So wurde auf Druck der Weltbank innerhalb kürzester Zeit der Kaffeeanbau dermaßen ausgeweitet, dass Vietnam heute der weltweit zweitwichtigste Rohkaffeeproduzent ist. Auch Rohöl, Textilien und Reis sind heute wichtige Exportprodukte.
Außerdem erfährt der Tourismus in Vietnam einen regelrechten Boom. Erst darüber wird das Land wieder verstärkt wahrgenommen.

Das komplette Programm zum Download

Ausstellung „konsumsplitter“ 12.10. – 09.11.2018

Mit Bildern von Martina Hammel und Begleittexten.

Einen Schwerpunkt der Ausstellung „Konsumsplitter“ bilden 30 Papierarbeiten zur globalen Konsumgesellschaft bzw. zu den Auswirkungen von Konsum, Handel und europäischer Subventionspolitik auf die Lebensbedingungen in afrikanischen Staaten. Damit wird ein Bogen gespannt zu Fragen nach Fluchtgründen und ihrem Zusammenhang mit Welthandelspraxen, aber auch zu Fragen der europäischen Migrationspolitik.

Ausstellung: Fr, 12.10. – Fr, 09.11.2018 (jew. Mo-So, 8-18h) zu sehen in der Lutherischen Pfarrkirche St. Marien, Lutherischer Kirchhof 1, 35037 Marburg

Vernissage: Fr, 12.10.2018, 18.30 Uhr Künstlerin Martina Hammel und Doro Köhler (agis) berichten über die Hintergründe des Ausstellungsprojektes

Tagesworkshop: Sa, 20.10.2018, 10 bis 17 Uhr, zu Kreativen Methoden des Globalen Lernens am Beispiel der Kunstausstellung „konsumsplitter“ mit Christina Castillon (Open School 21, Hamburg)// Anmeldung bei Doreen Thieke, epa@marburger-weltladen.de

Finissage: Do, 01.11.2018, 18:30 Uhr Vortrag „Fluchtursache Welthandel“ mit Dr. Boniface Mabanza

Veranstalter*innen: Initiative Solidarische Welt/ Weltladen Marburg & EPN Hessen in Kooperation mit der Antirassistischen Gruppe Internationale Solidarität (agis) und der Lutherischen Pfarrkirche St. Marien Marburg

Interaktiver Postkolonialer Stadtrundgang Marburg

 

Freitag, 12.10.2018, 10:30 Uhr
Sonntag, 14.10.2018, 10:30 Uhr

Ausgangspunkt & Treffpunkt:
Jägerdenkmal im Schülerpark Marburg

Eine interdisziplinäre Gruppe, koordiniert über den Bildungsbereich des Weltladen Marburg, möchte ihre Recherche-Ergebnisse interessierten Bürger*innen vorstellen. Wir gehen der Frage nach, inwieweit der Kolonialismus – auch in Marburg – bis heute im Alltag präsent ist und laden ein zum Innehalten, Interagieren, Ausprobieren, Auseinandersetzen.

Die Teilnahme ist kostenfrei, aber wir freuen uns über eine Spende, um weiterhin Bildungsangebote entwickeln zu können!

PREDA-Theater „Once we had a Dream“ mit Jugendlichen der philippinischen Kinderrechtsorganisation in Marburg

Das Musical-Drama „Once we had a Dream“ wurde von der PREDA-Jugendorganisation AKBAY entwickelt, erneuert und um eigene Texte der jugendlichen Schauspieler/innen ergänzt. Es thematisiert  den Einsatz PREDAs für die Rechte von Kindern und Jugendlichen, greift die Lebensgeschichten der jungen Menschen in den PREDA-Therapiezentren und die eigenen Erfahrungen der Schauspieler/innen mit ihren Träumen, Visionen und Enttäuschungen auf.

PREDA ist eine Kinder- & Menschenrechtsorganisation auf den Philippinen. Pater Shay Cullen, ein Priester des irischen St. Columban Ordens, gründete die Stiftung 1974 mit M. Ramirez und Alex C. Hermoso, um drogenabhängigen Jugendlichen, Straßenkindern sowie Missbrauchsopfern im korrupten Marcos- Regime zu helfen. Heute arbeitet PREDA mit insgesamt 12 Projekten auf internationaler Ebene. Durch den Fairen Handel (z.B. Mangoproduktreihe im Weltladen) sollen Armut und Ausbeutung gelindert, Schutz für sexuell Missbrauchte erkämpft & Schwachen sowie Schutzlosen geholfen werden. Nach 2014, 2015 und 2016 wird der Preda Freundeskreis e.V. auch dieses Jahr wieder mit der PREDA/AKBAY Theatergruppe durch Deutschland und Österreich touren.

Am 10. September treten sie um 19 Uhr in der Marburger Waggonhalle auf, organisiert vom Weltladen Marburg.

Kartenvorverkauf nur im Weltladen Marburg (10€/ 5 €)

Neue Veranstaltungsreihe des Weltladens „Postkolonialismus“ im Frühjahr 2018

Am 25. April startet die neue Veranstaltungsreihe des Weltladens. Sie widmet sich mit verschiedenen Vorträgen dem Thema Postkolonialismus.

Das komplette Programm steht hier zum Download bereit.

Der Begriff Postkolonialismus könnte in einem zeitlichen Sinne so verstanden werden, dass der Kolonialismus vorbei und abgeschlossen sei. Dem ist aber nicht so, im Gegenteil: Die langfristigen Auswirkungen, Kontinuitäten und Folgewirkungen kolonialer Strukturen und Politik prägen global immer noch nachhaltig und schwerwiegend Ökonomie, Gesellschaft, Kultur und Politik. Nicht zuletzt sind Rassismus und rassistische Stereotype und Denkmuster gerade in den Gesellschaften der ehemaligen Kolonialmächte bzw. Europas nach wie vor weit verbreitet. Postkoloniale Theorien beschäftigen sich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts mit dieser Kontinuität und dem vielfältig verwendeten Begriff Postkolonialismus in ganz unterschiedlichen Wissensgebieten. Diese Theorien stehen dabei immer in Verbindung mit einem klaren emanzipatorischen Interesse an Veränderung: Immer geht es um die Dekolonialisierung sowohl des Denkens als auch der Strukturen, verstanden als ein nötiger und langer Prozess. Für uns als Weltladen, der im Wesentlichen von als Weiß konnotierten und europäischen Menschen getragen wird, kann das Ziel dieser Veranstaltungsreihe aber dementsprechend nicht primär Emanzipation lauten. Vielmehr stehen die kritische Bewusstwerdung über die eigenen Privilegien, die eigene Rolle in einem komplexen System von Privilegien und über eigene stereotype Denkmuster im Vordergrund.