Neue Veranstaltungsreihe des Weltladens „Wasser – Menschenrecht oder Ware“ im Frühjahr 2017

Im April startet die neue Veranstaltungsreihe des Weltladens. Sie widmet sich mit verschiedenen Vorträgen und einem Filmen dem Thema Wasser.

Das komplette Programm steht hier zum Download bereit.

Wasser ist die Grundlage allen Lebens auf der Erde. Aber während uns eine ausreichende Wasserversorgung in Deutschland noch selbstverständlich erscheint, wird Wasser global immer mehr zu einer knappen Ressource. Verantwortlich dafür sind der Klimawandel, die Verschmutzung von Süßwasserreserven, die Übernutzung durch industrielle Landwirtschaft
oder das Abholzen von Wäldern. Dies führt schon heute vor allem in vielen Ländern des Globalen Südens zu einem permanenten Wassermangel – sowohl für den menschlichen Bedarf als auch für die Landwirtschaft. Vielerorts ist die Produktion von Lebensmitteln dadurch zunehmend gefährdet. Damit entsteht ein wachsendes Potential für Krisen und gewalttätige Verteilungskämpfe sowie ein immer stärker werdender Druck zur Migration. So bedroht beispielsweise die schwere Hungersnot in Teilen Afrikas, mitverursacht durch Klimawandel und Dürre, laut UN aktuell 20 Millionen Menschen. Die Vollversammlung der UN hat 2010 den Zugang zu sauberem Wasser und eine sanitäre Grundversorgung als Menschenrecht anerkannt. Dies stellte einen großen Erfolg für zivilgesellschaftliche Organisationen weltweit dar, die für den gleichberechtigten Zugang zu Wasser kämpfen. Auch in den Zielen für nachhaltige Entwicklung der UN (Sustainable Development Goals) ist die Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle enthalten. Gleichzeitig gibt es aber auch Bestrebungen, die Ressource Wasser zu privatisieren, denn gerade durch die
wachsende Knappheit wird Wasser als Ware und Investitionsobjekt interessant. Die Veranstaltungsreihe thematisiert darüber hinaus auch soziale Bewegungen und fragt nach konkreten entwicklungspolitischen Projekten und Lösungsansätzen im Globalen Süden. Diese streben nach nachhaltigen, sicheren und gleichberechtigten Zugängen zu Wasser für alle.

Süß & Bitter. Wie schmecken Kakaobohnen und wer bekommt das größte Stück Schokolade?

In welchem Land werden 100 Tafeln Schokolade pro Kopf im Jahr vertilgt? Wer bekommt das größte Stück von jeder Schokolade ab? Und warum essen Kakaobauern und -bäuerinnen keine Schokolade?

Diese und andere Fragen beantwortet die Ausstellung „Süß & Bitter” der Kampagne Make Chocolate Fair! von Inkota und beleuchtet gleichzeitig spannend wie kritisch, die Hintergründe der viel geliebten Schokoladentafeln.
Besucher und Besucherinnen können die Schale von getrockneten Kakaoschoten fühlen und den Geschmack der aromatischen Kakaobohnen testen. Zu entdecken gibt es auch, wie daraus mit anderen Zutaten Schokolade wird.
Eine Videostation zeigt die Anforderungen, denen Kakaobauernfamilien bei ihrer Arbeit täglich begegnen. Dazu berichtet Afia Owusu aus Ghana in einer Hörstation, warum immer mehr junge Menschen die Kakaoplantagen ihrer Eltern nicht übernehmen wollen.

Eröffnung am 26. April 2017 um 19 Uhr

Als gemeinschaftliches Projekt des Weltladens Marburgs, der Micha Gruppe Marburg und der Steuerungsgruppe Fairer Handel der Fairtrade Stadt Marburg wird die Ausstellung am 26. April 2017 um 19 Uhr mit einem Fachvortrag von Inkota in der Lutherischen Pfarrkirche eröffnet. Sie ist anschließend bis zum 14. Mai 2017 täglich von Montag bis Freitag von 8 Uhr bis 18 Uhr zu sehen.

Führungen und Workshops

Kostenlose Führungen durch die Ausstellung finden am 30.04., 07.05. und 14.05.2017 nach den Gottesdiensten, um 11:30 Uhr statt. Weitere Termine für Führungen (ab 10 Personen) oder Schul-Workshops (mit Schokomuffins-Backen) sind auf Anfrage möglich.

Kontakt

Doreen Thieke, Bildungsreferentin des Weltladen Marburg
Tel.: 06421/686244
Mail: epa@marburger-weltladen.de

P.S. Eine Roll Up Ausstellung mit den gleichen Inhalten ist zeitgleich im 1.OG der Mensa am Erlenring zu sehen.

Bildungsurlaub: Zukunftsfähig leben und arbeiten!?

Das Prinzip der Nachhaltigkeit am Beispiel Landwirtschaft und Ernährung

Stadtgärten, lokale Molkereien oder Solidarische Landwirtschaft: In Marburg gibt es vieleInitiativen, die Ansätze einer nachhaltigen Landwirtschaft und Ernährung in die Praxis umsetzen. Während des Bildungsurlaubs werden diese und andere Orte in Marburg besucht, um Nachhaltigkeit zu erleben, zu erfahren und zu erforschen.

Neben den Exkursionen werden die Teilnehmenden des Bildungsurlaubs durch Filme, Gespräche und Gruppenarbeit in die Lage versetzt, sich mit dem komplexen Themenfeld Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen.

Flyer Bildungsurlaub Nachhaltigkeit

Datum: Mo, 24.04. bis Fr, 28.04.2017

Referent: Dirk Posse, ökologischer Ökonom und freiberuflicher Bildungsreferent

Ort: Volkshochschule Marburg, Deutschhausstraße 38, 35037 Marburg

Anmeldung bis Mi, 15. März 2017,  Kursnummer: I10038

Kosten: 142,50 € (ermäßigt 98,50 €)

Weitere Informationen: www.vhs-marburg.de

Die Veranstaltung ist beim Hessischen Ministerium für Soziales und Integration als Bildungsurlaub beantragt.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit ARBEIT und LEBEN und dem Hessischen Volkshochschulverband, in Kooperation mit dem hessischen Eine Welt-Promotor/-innen-Programm.

 

Globale Mittelhessen vom 20.01. bis 02.02.

Am Freitagabend, den 20. Januar, eröffnet das Dokumentarfilmfestival Globale Mittelhessen 2017 mit dem Film „Les Sauteurs – Those Who Jump“ in der Waggonhalle Marburg.

Dazu lädt der Weltladen Marburg als Mitveranstalter der Globale herzlich ein!

Das Festival läuft in 10 Orten: Marburg, Gießen, Wetzlar, Gladenbach, Bad Nauheim, Heuchelheim, Saasen, Weilburg, Niederwetter und Herborn. Abgesehen vom Auftakt in der Waggonhalle finden alle Marburger Veranstaltungen im Kino Capitol in der Biegenstr. 8 statt.

Das komplette Programm mit allen Spielorten und sonstige Informationen sind zu finden auf www.globalemittelhessen.de. Programmhefte gibt es im Weltladen, im Kino Capitol und an vielen anderen Stellen in der Stadt.

Gedanken unseres Süd-Freiwilligen Manuel Chavarría

Mein Freiwilligendienst in Deutschland: der Faire Handel aus verschiedenen Perspektiven betrachtet

Alles geschieht so schnell…vor fünf Monaten habe ich Abschied von meiner Familie und meinen Freunden in Nicaragua genommen, um mich auf den Weg zu einem Freiwilligendienst in Deutschland zu machen – etwas, was ich immer wollte, im Ausland sein, um neue Traditionen und die Politik anderer Länder kennen zu lernen.

Meine neuen Erfahrungen beginnen an dem Tag, an dem ich Nicaragua verlassen habe. Ich erinnere mich daran, dass ich im Flugzeug von der Dominikanischen Republik nach Frankfurt saß und Apfelsaft bestellen wollte, aber nicht wusste, was Apfelsaft auf Deutsch heißt. Am Ende habe ich nur Wasser und Kaffee getrunken, weil ich das auf Deutsch sagen konnte.

Mein Freiwilligendienst wird über EIRENE in Neuwied organisiert. EIRENE ist ein ökumenischer, internationaler Friedens- und Entwicklungsdienst, der sich gemeinsam mit Partnerorganisationen in Lateinamerika, Afrika, den USA und Europa für eine Kultur der Gewaltfreiheit, für soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung engagiert. Mein Arbeitsplatz als Freiwilliger ist jedoch der Weltladen in Marburg. Dort angekommen, bemerkte ich, dass im Laden fair gehandelter Bio-Kaffee aus Nicaragua verkauft wird, genauer gesagt von Soppexcca, der Organisation für die ich in Nicaragua gearbeitet habe.

Soppexcca (Sociedad de Pequeños Productores Exportadores de Café) ist ein Kooperativenverband kleiner KaffeeproduzentInnen, der sein Büro in der Stadt Jinotega im Norden des Landes hat. Soppexcca besteht aus 15 Basis-Kooperativen, in denen insgesamt etwa 650 KleinproduzentInnen organisiert sind. Die Kooperativen liegen weit verstreut auf durchschnittlich 1200 Metern Höhe.

Meine Mutter produziert Kaffee und ist Mitglied bei Soppexcca, wo sie sich für Geschlechtergerechtigkeit engagiert. In unserer Gemeinde arbeitet sie im Gesundheitszentrum ehrenamtlich als Beraterin. Wir produzieren Kaffee im Nebenverdienst und sind darüber hinaus auf das Einkommen aus der Lohnarbeit meines Vaters angewiesen. Außerdem bauen wir Gemüse für den Eigenbedarf an. Der Kaffeeanbau hat mich seit meiner Kindheit sehr geprägt. Schon lange interessiere ich mich dafür, wie Kaffee im Gleichgewicht mit dem Ökosystem angebaut werden kann. Zugang zu Land und Grundkapital sind Voraussetzungen für die Produktion.

Soppexcca hat meinen Wunsch, in die Kaffeeproduktion einzusteigen, durch die Finanzierung meines Studiums der Landwirtschaft und weitere spezialisierte Fortbildungen unterstützt. In der Zeit meines Studiums habe ich ehrenamtlich als Berater und Qualitätsprüfer für die Kriterien des Fairen Handels gearbeitet. Die Frage, ob die ProduzentInnen umweltverträgliche Dünger nutzen, war bei meinen Besuchen der Kooperativen ebenso Thema, wie die Schätzung der Erntemenge um mögliche Kreditvergaben von Soppexcca zu kalkulieren.

In Nicaragua habe ich viel Erfahrung damit, was der Faire Handel für die ProduzentInnen auf dem Land bedeutet. In meinem Freiwilligendienst im Weltladen in Marburg, lerne ich nun den Prozess des Verkaufs von Fairen Produkten kennen. Die Wertschätzung, mit der viele Menschen fair gehandelten Kaffee trinken, ist sehr wichtig für mich. Aufgrund der ökonomischen Situation vieler Menschen in Nicaragua, ist es sehr schwer, vor Ort fair gehandelte Produkte zu einem höheren Preis zu verkaufen.

Auch in Deutschland wissen viele Menschen nicht, was Fairer Handel bedeutet und v.a. wie die Lebenssituationen kleiner KaffeeproduzentInnen aussehen. Deshalb halte ich dazu Vorträge bei Fairhandelsmessen, bei anderen Weltläden oder Partnerschaftsgruppen. Ich versuche meine Vorträge teilweise auf Deutsch zu halten, aber die deutsche Sprache ist sehr schwer.

In der kurzen Zeit, die ich nun hier bin, habe ich gelernt, die Schwierigkeiten unseres Landes klarer zu sehen. Auch die Diskussionen in den Seminaren von EIRENE waren sehr spannend. Wir sprachen darüber, was Frieden und internationale Partnerschaft für ein besseres Leben bedeuten können.

Zurzeit will ich gar nicht daran denken, dass ich nächsten Mai in mein Land zurückkehren werde. Hier geht es mir sehr gut, aber meine Familie und meine Freunde warten auf mich und ich muss zurückgehen, um weiter zu studieren und meine berufliche Ausbildung abzuschließen. Das ist mein größter Wunsch.

Manuel Chavarría, Marburg im November 2016