Bildungsurlaub: Zukunftsfähig leben und arbeiten!?

Das Prinzip der Nachhaltigkeit am Beispiel Landwirtschaft und Ernährung

Stadtgärten, lokale Molkereien oder Solidarische Landwirtschaft: In Marburg gibt es vieleInitiativen, die Ansätze einer nachhaltigen Landwirtschaft und Ernährung in die Praxis umsetzen. Während des Bildungsurlaubs werden diese und andere Orte in Marburg besucht, um Nachhaltigkeit zu erleben, zu erfahren und zu erforschen.

Neben den Exkursionen werden die Teilnehmenden des Bildungsurlaubs durch Filme, Gespräche und Gruppenarbeit in die Lage versetzt, sich mit dem komplexen Themenfeld Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen.

Flyer Bildungsurlaub Nachhaltigkeit

Datum: Mo, 24.04. bis Fr, 28.04.2017

Referent: Dirk Posse, ökologischer Ökonom und freiberuflicher Bildungsreferent

Ort: Volkshochschule Marburg, Deutschhausstraße 38, 35037 Marburg

Anmeldung bis Mi, 15. März 2017,  Kursnummer: I10038

Kosten: 142,50 € (ermäßigt 98,50 €)

Weitere Informationen: www.vhs-marburg.de

Die Veranstaltung ist beim Hessischen Ministerium für Soziales und Integration als Bildungsurlaub beantragt.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit ARBEIT und LEBEN und dem Hessischen Volkshochschulverband, in Kooperation mit dem hessischen Eine Welt-Promotor/-innen-Programm.

 

Globale Mittelhessen vom 20.01. bis 02.02.

Am Freitagabend, den 20. Januar, eröffnet das Dokumentarfilmfestival Globale Mittelhessen 2017 mit dem Film „Les Sauteurs – Those Who Jump“ in der Waggonhalle Marburg.

Dazu lädt der Weltladen Marburg als Mitveranstalter der Globale herzlich ein!

Das Festival läuft in 10 Orten: Marburg, Gießen, Wetzlar, Gladenbach, Bad Nauheim, Heuchelheim, Saasen, Weilburg, Niederwetter und Herborn. Abgesehen vom Auftakt in der Waggonhalle finden alle Marburger Veranstaltungen im Kino Capitol in der Biegenstr. 8 statt.

Das komplette Programm mit allen Spielorten und sonstige Informationen sind zu finden auf www.globalemittelhessen.de. Programmhefte gibt es im Weltladen, im Kino Capitol und an vielen anderen Stellen in der Stadt.

Gedanken unseres Süd-Freiwilligen Manuel Chavarría

Mein Freiwilligendienst in Deutschland: der Faire Handel aus verschiedenen Perspektiven betrachtet

Alles geschieht so schnell…vor fünf Monaten habe ich Abschied von meiner Familie und meinen Freunden in Nicaragua genommen, um mich auf den Weg zu einem Freiwilligendienst in Deutschland zu machen – etwas, was ich immer wollte, im Ausland sein, um neue Traditionen und die Politik anderer Länder kennen zu lernen.

Meine neuen Erfahrungen beginnen an dem Tag, an dem ich Nicaragua verlassen habe. Ich erinnere mich daran, dass ich im Flugzeug von der Dominikanischen Republik nach Frankfurt saß und Apfelsaft bestellen wollte, aber nicht wusste, was Apfelsaft auf Deutsch heißt. Am Ende habe ich nur Wasser und Kaffee getrunken, weil ich das auf Deutsch sagen konnte.

Mein Freiwilligendienst wird über EIRENE in Neuwied organisiert. EIRENE ist ein ökumenischer, internationaler Friedens- und Entwicklungsdienst, der sich gemeinsam mit Partnerorganisationen in Lateinamerika, Afrika, den USA und Europa für eine Kultur der Gewaltfreiheit, für soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung engagiert. Mein Arbeitsplatz als Freiwilliger ist jedoch der Weltladen in Marburg. Dort angekommen, bemerkte ich, dass im Laden fair gehandelter Bio-Kaffee aus Nicaragua verkauft wird, genauer gesagt von Soppexcca, der Organisation für die ich in Nicaragua gearbeitet habe.

Soppexcca (Sociedad de Pequeños Productores Exportadores de Café) ist ein Kooperativenverband kleiner KaffeeproduzentInnen, der sein Büro in der Stadt Jinotega im Norden des Landes hat. Soppexcca besteht aus 15 Basis-Kooperativen, in denen insgesamt etwa 650 KleinproduzentInnen organisiert sind. Die Kooperativen liegen weit verstreut auf durchschnittlich 1200 Metern Höhe.

Meine Mutter produziert Kaffee und ist Mitglied bei Soppexcca, wo sie sich für Geschlechtergerechtigkeit engagiert. In unserer Gemeinde arbeitet sie im Gesundheitszentrum ehrenamtlich als Beraterin. Wir produzieren Kaffee im Nebenverdienst und sind darüber hinaus auf das Einkommen aus der Lohnarbeit meines Vaters angewiesen. Außerdem bauen wir Gemüse für den Eigenbedarf an. Der Kaffeeanbau hat mich seit meiner Kindheit sehr geprägt. Schon lange interessiere ich mich dafür, wie Kaffee im Gleichgewicht mit dem Ökosystem angebaut werden kann. Zugang zu Land und Grundkapital sind Voraussetzungen für die Produktion.

Soppexcca hat meinen Wunsch, in die Kaffeeproduktion einzusteigen, durch die Finanzierung meines Studiums der Landwirtschaft und weitere spezialisierte Fortbildungen unterstützt. In der Zeit meines Studiums habe ich ehrenamtlich als Berater und Qualitätsprüfer für die Kriterien des Fairen Handels gearbeitet. Die Frage, ob die ProduzentInnen umweltverträgliche Dünger nutzen, war bei meinen Besuchen der Kooperativen ebenso Thema, wie die Schätzung der Erntemenge um mögliche Kreditvergaben von Soppexcca zu kalkulieren.

In Nicaragua habe ich viel Erfahrung damit, was der Faire Handel für die ProduzentInnen auf dem Land bedeutet. In meinem Freiwilligendienst im Weltladen in Marburg, lerne ich nun den Prozess des Verkaufs von Fairen Produkten kennen. Die Wertschätzung, mit der viele Menschen fair gehandelten Kaffee trinken, ist sehr wichtig für mich. Aufgrund der ökonomischen Situation vieler Menschen in Nicaragua, ist es sehr schwer, vor Ort fair gehandelte Produkte zu einem höheren Preis zu verkaufen.

Auch in Deutschland wissen viele Menschen nicht, was Fairer Handel bedeutet und v.a. wie die Lebenssituationen kleiner KaffeeproduzentInnen aussehen. Deshalb halte ich dazu Vorträge bei Fairhandelsmessen, bei anderen Weltläden oder Partnerschaftsgruppen. Ich versuche meine Vorträge teilweise auf Deutsch zu halten, aber die deutsche Sprache ist sehr schwer.

In der kurzen Zeit, die ich nun hier bin, habe ich gelernt, die Schwierigkeiten unseres Landes klarer zu sehen. Auch die Diskussionen in den Seminaren von EIRENE waren sehr spannend. Wir sprachen darüber, was Frieden und internationale Partnerschaft für ein besseres Leben bedeuten können.

Zurzeit will ich gar nicht daran denken, dass ich nächsten Mai in mein Land zurückkehren werde. Hier geht es mir sehr gut, aber meine Familie und meine Freunde warten auf mich und ich muss zurückgehen, um weiter zu studieren und meine berufliche Ausbildung abzuschließen. Das ist mein größter Wunsch.

Manuel Chavarría, Marburg im November 2016

Neue Veranstaltungsreihe des Weltladens über Indien im Herbst 2016

Im Oktober startet die neue Veranstaltungsreihe des Weltladens. Sie widmet sich mit verschiedenen Vorträgen und Filmen dem Thema Indien.

Das komplette Programm steht hier zum Download bereit.

Seit den 1990er Jahren hat sich Indien zunehmend stärker in die Weltwirtschaft integriert. Diese Prozesse haben, wie häufig betont wird, zu einer gewachsenen Mittelschicht geführt. Für gesellschaftlich benachteiligte Gruppen der indischen Gesellschaft, die in diese Veränderungen kaum eingebunden sind, stellen sie teilweise sogar eine Bedrohung dar. Aktuell verbindet der seit 2014 regierende Premierminister Narendra Modi der hindunationalistischen Bharatiya Janata Party (BJP) das Versprechen einer weiteren Öffnung des Landes für Investitionen multinationaler Konzerne mit einem aggressiven Nationalismus und einer extremistischen Form des Hinduismus. Wie positionieren sich benachteiligte Gruppen gegenüber diesen spannungsreichen Transformationsprozessen? Was sind die Perspektiven verschiedener
sozialer Bewegungen wie die der Kleinbäuer*innen, Frauenorganisationen, der Bewegung der Dalit (der sogenannten „Unberührbaren“) sowie der Adivasi, also verschiedener indigener Gruppen? Deren Situation, Sichtweisen und Interessen tauchen im Mainstream der Berichterstattung über Indien kaum auf. Dort dominiert ein makroökonomischer Blick und die Darstellung einer als erfolgreich und aufstrebend angesehenen Mittelschicht. Ihr Aufstieg erscheint als geglückte Modernisierung nach „westlichen“ Mustern. Ein solcher medialer Diskurs bedient beim Publikum vertraute Vorstellungen von Entwicklung und Modernisierung. Gerade deswegen rückt die Veranstaltungsreihe die Perspektiven benachteiligter Gruppen in den Fokus, um sich mit den fokussierten Themen kritisch auseinanderzusetzen.