Neue Veranstaltungsreihe „Nordafrika“

Seit dem arabischen Frühling, der 2011 in Tunesien seinen Ausgang nahm, haben vielfältige Aufbrüche und Veränderungen, aber auch Gewalt und Rückschläge Nordafrika erfasst. Allerdings stellen sich die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich dar. Libyen ist mittlerweile als Staat zerfallen und wird von der Gewalt unterschiedlicher Milizen und Warlords dominiert. In Tunesien hat sich nach der Revolution ein demokratisch legitimiertes System etablieren können. In Algerien
wiederum hat sich das vom Militär dominierte Regime zunächst halten können, seit diesem Jahr gibt es aber eine breit getragene Demokratie-Bewegung. In Ägypten wurde die demokratische Revolution durch einen Militärputsch 2013 wieder beendet und die alten Kräfte konnten sich gestützt auf das Militär unter General El-Sisi wieder etablieren – brutaler und autoritärer als zuvor. In Marokko hat sich vermeintlich am wenigsten verändert, auch die Situation in der von Marokko besetzten West-Sahara ist unverändert. Angesichts der sehr unterschiedlichen Situationen in den einzelnen Ländern stellen wir im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe die Frage, welche hinter den Ereignissen liegenden vergleichbaren Entwicklungen und Strukturen in der Region zu erkennen sind. Kulturelle und sozioökonomische Veränderungen in der Rolle der Frauen werden beispielsweise gerade in einer länderübergreifenden Perspektive deutlicher.
Welche sozialen Kräfte prägen und tragen den demokratischen Aufbruch? Auch die Rolle Europas in der Region soll kritisch hinterfragt werden. Wie bedeutend sind die früheren Kolonialmächte noch für die Entwicklung in der Region? Welche kolonial geprägten Strukturen
bestehen fort – gerade auch durch die nie gebrochene ökonomische Dominanz?

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Veranstaltungsreihe Waffenhandel des Weltladen Marburg

Neue Veranstaltungsreihe „Waffenhandel“

Weltweit werden permanent für den legalen wie illegalen Kauf von Waffen unfassbare Summen ausgegeben. Diese Ausgaben übersteigen bei Weitem diejenigen, die für die Lösung globaler entwicklungspolitischer Probleme wie Hunger, Armut oder Klimawandel nötig und ausreichend wären. Schon allein wegen dieser Ressourcenverschwendung stellt der globale Waffenhandel ein zentrales Hindernis für die Lösung existentieller globaler Probleme dar. Und das ist nicht nur ein theoretischer Zusammenhang: Der größte Waffenimporteur der Welt ist mit Indien ein Land, das zugleich auch die höchste Zahl an Hungernden weltweit aufweist. Einer der wichtigsten Waffenexporteure ist nach wie vor Deutschland. Es verstößt dabei ständig gegen den eigenen Grundsatz, keine Waffen in Spannungsgebiete zu liefern. Banken sind ein weiterer Faktor beim internationalen Waffenhandel. Sie sind einerseits zentral für die Finanzierung von Rüstungsproduktion und -handel. Ebenso wichtig ist aber auch ihre Rolle für die Geldwäsche von Gewinnen aus dem illegalen Waffenhandel. Denn Waffen verbleiben häufig nicht an dem Ort und bei den Empfängern, denen sie offiziell geliefert werden. Vielmehr blühen halblegale und illegale Märkte. Zusätzlich überschneiden sich die Strukturen des Waffenhandels häufig mit denen anderer illegaler Märkte. Ohne diese Strukturen von illegalem Waffenhandel könnten Kriege niederer Intensität von Warlords oder bewaffneten Gruppen oder sogenannte Drogenkriege gar nicht geführt werden. Das Erreichen zentraler entwicklungspolitischer Ziele wie die Stärkung von Demokratie, Menschenrechten und Partizipation wird dadurch erheblich erschwert.
Die Reihe fragt aber auch nach Alternativen zu Rüstung und Waffenhandel und stellt Ansätze wie Konversionsprojekte oder zivile Friedensarbeit zur Diskussion.

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Neue Veranstaltungsreihe „Vietnam“

50 Jahre nach 1968 widmet sich diese Reihe Vietnam und wirft einen Blick auf die komplexe soziale, wirtschaftliche und ökologische Situation des Landes. Die Empörung über den Vietnamkrieg war im Westen ein wesentliches Moment der studentischen Proteste jener Zeit und einer sich entwickelnden internationalistischen Solidaritäts-Bewegung. Doch nach Ende des Krieges 1975 wendeten sich große Teile der Solidaritätsbewegung anderen Ländern zu – Vietnam entschwand der medialen Aufmerksamkeit. Dabei waren die Aufgaben, denen sich das Land nach Kriegsende gegenübersah, gewaltig: Die Überwindung kolonialer Strukturen, der Wiederaufbau nach Jahrzehnten des Krieges, die Vereinigung von Nord- und Südvietnam, die verheerenden ökologischen Folgen des massiven Einsatzes des Entlaubungsmittels Agent Orange durch die USA im Krieg. All das vor dem Hintergrund des Kalten Krieges. Dieser prägte das Verhältnis zwischen Deutschland und Vietnam durch die Migration vieler vietnamesischer Menschen. In die BRD kamen nach 1975 vor allem sogenannte Boat-People, die nach der Kapitulation des prowestlichen südvietnamesischen Regimes aus dem Land flohen. In die DDR kamen hingegen tausende Vertragsarbeiter*innen, die zeitlich befristet dort arbeiten sollten.
Im offiziell immer noch sozialistischen Vietnam hat sich die Kommunistischen Partei ihr politisches Monopol erhalten. Auf der ökonomischen Ebene aber hat sich das Land seit Ende der 80er Jahre gegenüber dem Weltmarkt geöffnet und private Betriebe und ausländische
Investitionen ermöglicht. So wurde auf Druck der Weltbank innerhalb kürzester Zeit der Kaffeeanbau dermaßen ausgeweitet, dass Vietnam heute der weltweit zweitwichtigste Rohkaffeeproduzent ist. Auch Rohöl, Textilien und Reis sind heute wichtige Exportprodukte.
Außerdem erfährt der Tourismus in Vietnam einen regelrechten Boom. Erst darüber wird das Land wieder verstärkt wahrgenommen.

Das komplette Programm zum Download

Ausstellung „konsumsplitter“ 12.10. – 09.11.2018

Mit Bildern von Martina Hammel und Begleittexten.

Einen Schwerpunkt der Ausstellung „Konsumsplitter“ bilden 30 Papierarbeiten zur globalen Konsumgesellschaft bzw. zu den Auswirkungen von Konsum, Handel und europäischer Subventionspolitik auf die Lebensbedingungen in afrikanischen Staaten. Damit wird ein Bogen gespannt zu Fragen nach Fluchtgründen und ihrem Zusammenhang mit Welthandelspraxen, aber auch zu Fragen der europäischen Migrationspolitik.

Ausstellung: Fr, 12.10. – Fr, 09.11.2018 (jew. Mo-So, 8-18h) zu sehen in der Lutherischen Pfarrkirche St. Marien, Lutherischer Kirchhof 1, 35037 Marburg

Vernissage: Fr, 12.10.2018, 18.30 Uhr Künstlerin Martina Hammel und Doro Köhler (agis) berichten über die Hintergründe des Ausstellungsprojektes

Tagesworkshop: Sa, 20.10.2018, 10 bis 17 Uhr, zu Kreativen Methoden des Globalen Lernens am Beispiel der Kunstausstellung „konsumsplitter“ mit Christina Castillon (Open School 21, Hamburg)// Anmeldung bei Doreen Thieke, epa@marburger-weltladen.de

Finissage: Do, 01.11.2018, 18:30 Uhr Vortrag „Fluchtursache Welthandel“ mit Dr. Boniface Mabanza

Veranstalter*innen: Initiative Solidarische Welt/ Weltladen Marburg & EPN Hessen in Kooperation mit der Antirassistischen Gruppe Internationale Solidarität (agis) und der Lutherischen Pfarrkirche St. Marien Marburg

Interaktiver Postkolonialer Stadtrundgang Marburg

 

Freitag, 12.10.2018, 10:30 Uhr
Sonntag, 14.10.2018, 10:30 Uhr

Ausgangspunkt & Treffpunkt:
Jägerdenkmal im Schülerpark Marburg

Eine interdisziplinäre Gruppe, koordiniert über den Bildungsbereich des Weltladen Marburg, möchte ihre Recherche-Ergebnisse interessierten Bürger*innen vorstellen. Wir gehen der Frage nach, inwieweit der Kolonialismus – auch in Marburg – bis heute im Alltag präsent ist und laden ein zum Innehalten, Interagieren, Ausprobieren, Auseinandersetzen.

Die Teilnahme ist kostenfrei, aber wir freuen uns über eine Spende, um weiterhin Bildungsangebote entwickeln zu können!