Schlagwort-Archive: Afrika

Geflüchtete in Äthiopien

Vortrag und Diskussion mit Mulugeta Haiybano

(Leiter Jesuiten-Flüchtlingsdienst Äthiopien)

Rund 900.000 registrierte Geflüchtete leben in Äthiopien. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Für die Hilfsorganisationen gibt es täglich neue Herausforderungen. Mulugeta Haiybano leitet seit 2017 den Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) in Äthiopien. Er koordiniert Projekte, organisiert den Personaleinsatz, pflegt Beziehungen zu staatlichen Behörden und sorgt für schnelles Handeln, wenn es die Situation erfordert.

Im vergangenen Jahr etwa hat er in Addis Abeba ein Kinderschutzzentrum des JRS eingeweiht, das eine Betreuung für unbegleitete geflüchtete Kinder bietet. Die Mitarbeiter des JRS sind aber ebenso in den riesigen Flüchtlingscamps entlang der äthiopischen Grenzen präsent. „Wir können und wollen mit den großen internationalen Hilfsorganisationen nicht mithalten“, räumt der JRS-Direktor ein, und erklärt, wie er das meint: „Wir sind nicht nur für die Geflüchteten da, wir leben mit ihnen!“

Das Leben in Camps entmenschliche und demütige Geflüchtete, sagt Haiybano. Das Getrenntsein von der Familie und die ganze Hoffnungslosigkeit seien eine fast unerträgliche Belastung. Der JRS biete erzieherische, psychosoziale und pastorale Hilfe, bilde Gemeinschaft, etwa beim Sport, Theater oder Musik.

Mit diesen Aktivitäten werde die Last der Geflüchteten etwas erleichtert, beschreibt Haiybano. Nicht ohne Stolz verweist der Direktor auf die „Politik der offenen Tür“ für die Geflüchtete, die in Äthiopien stranden. Dabei sei das Land bettelarm. „Äthiopien sollte Ländern, die ihre Grenzen schließen, ein Beispiel sein.“

Veranstaltet von: Kerner-Netzwerk, Weltladen Marburg, Missio

Marburger Forum für entwicklungspolitische und interkulturelle Themen in Kooperation mit     ARBEIT und LEBEN Marburg (AG von DGB und vhs)

Literatur aus Lateinamerika und Afrika

Im Rahmen der 12. SEMANA LATINA

Der renommierte Übersetzer Michael Kegler beschreibt die vielfältigen Verbindungen zwischen lateinamerikanischer und afrikanischer Literatur am Beispiel von Brasilien, Mosambik und Angola.

Und das kann er aus erster Hand tun: Anfang September traf sich Michael Kegler noch in Maputo mit dem bekanntesten Autoren Mosambiks – Mia Couto – und einem der angesehensten Autoren Brasiliens – Luiz Ruffato.

Michael Kegler ist preisgekrönter Übersetzer brasilianischer, angolanischer, mosambikanischer und portugiesischer Literatur.

Veranstalter: Semana Latina, Kulturelle Aktion Marburg Strömungen, Weltladen Marburg

EPAs – Partnerschaft mit Afrika? Wie die EU-Handelspolitik Afrika auspresst

Vortrag von Dr. Franziska Müller (Universität Kassel)

EPAs sind sogenannte Economic Partnership Agreements (Wirtschafts­partnerschafts­abkommen) die von der Europäischen Union mit Ländern im afrikanischen, karibischen und pazifischen Raum, den sogenannten AKP-Staaten, ausgehandelt werden.

Die Märkte dieser Länder sollen unbegrenzt für Importe geöffnet und der Zugang zu Rohstoffen, vom Erdöl über Holz bis hin zu Metallen, gesichert werden. Dienstleistungskonzerne, von Finanzen über Wasser bis zu Tourismus, bekommen über die Verträge Zugang zu lukrativen öffentlichen Aufträgen und zu zu privatisierenden Dienstleistungen.

Bisherige Handelsliberalisierungen in afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten (AKP-Staaten)  vergrößerten die Armut immens, die EPAs werden diesen Trend fortsetzen. Ein Großteil der Bevölkerung in diesen Ländern lebt von der Landwirtschaft. Schon jetzt entledigt sich die EU in den AKP-Staaten ihrer landwirtschaftlichen Überproduktion und zerstört damit die lokalen Märkte. Auch die wenigen Industriebetriebe und das Kleingewerbe werden einer vernichtenden Konkurrenz ausgesetzt. Ausländische Investoren werden kaum Auflagen erhalten. Dadurch wird die soziale und ökologische Verwüstung weiter vorangetrieben.

Die EPAs fixieren in allen Wirtschaftsbereichen die Regeln neu: demokratische Spielräume für eine eigenständige Wirtschafts- und Sozialpolitik werden mit den EPAs stark eingeschränkt

Dr. Franziska Müller forscht und lehrt an der Universität Kassel unter anderem zu den Themen EU-Afrika – Beziehungen und Entwicklungs-zusammenarbeit. Sie ist Teil der „Glocalpower – Nachwuchsgruppe“ in der über Werkzeuge und Netzwerke für eine Transformation der Energiesysteme in Afrika geforscht und gearbeitet wird.

Veranstalter: attac Marburg, Marburger Bündnis gegen TTIP, ver.di und GEW Marburg, Kulturelle Aktion Marburg – Strömungen, Buchladen Roter Stern, Weltladen Marburg

Globale Mittelhessen startet am 26. Januar

Am Freitagabend, den 26. Januar, eröffnet das Dokumentarfilmfestival Globale Mittelhessen 2018 mit dem Film „Grünes Gold – Dead Donkeys Don’t Fear Hyena“ in der Waggonhalle Marburg.

Dazu lädt der Weltladen Marburg als Mitveranstalter der Globale herzlich ein!

Das Festival läuft in diesem Jahr an 11 Orten und bis zum 10. Februar: Marburg, Gießen, Wetzlar, Gladenbach, Bad Nauheim, Saasen, Weilburg, Niederwetter, Dillenburg, Lohra-Damm und Biebertal-Königsberg.

Abgesehen vom Auftakt und den Filmen am Samstag 27.01., die  in der Waggonhalle stattfinden, laufen alle Marburger Filme im Kino Capitol in der Biegenstr. 8.

Das komplette Programm mit allen Spielorten und sonstige Informationen sind zu finden auf www.globalemittelhessen.de. Programmhefte gibt es im Weltladen, im Kino Capitol und an vielen anderen Stellen in der Stadt.

Kindheit und Schule im Senegal – Impressionen

„Ein leerer Bauch hat keine Ohren“ (senegalesisches Sprichwort)

Kindheit und Schule im Senegal – Impressionen

Der Senegalverein Marburg e.V. lädt ein zu Vortrag und Diskussion

mit

Angela Schmidt-Bernhardt

Birte Egloff

Robert Bernhardt

Im April 2017 haben wir erneut unsere Projekte im Senegal besucht.

In dem kleinen Ort Keur Baka südlich von Kaolack unterstützen wir eine weiterführende Schule mit 476 Schülerinnen und Schülern. Die Kinder kommen aus 26 umliegenden Dörfern.

Einige haben einen Schulweg von 7 Kilometern, den sie morgens und nachmittags zu Fuß zurücklegen. Wir unterstützen die Schulleitung, die Lehrerinnen und Lehrer, die Dorfältesten bei der Einrichtung einer Schulkantine.

Im Norden des Landes, in St. Louis, arbeiten wir mit einer lokalen Initiative zusammen, die sich die medizinische Erstversorgung von Straßenkindern zur Aufgabe gemacht hat.

Ausgehend von diesen Beispielen möchten wir einen Einblick in das Bildungswesen und in die Situation der Kinder und Jugendlichen in diesem westafrikanischen Land geben.

Die großen Herausforderungen, allen Kindern den Zugang zu Bildung zu ermöglichen, werden ebenso beleuchtet wie aktuelle positive Ansätze zur Verbesserung der Lebenssituation.

Der Senegalverein Marburg e.V. wurde im Jahr 2012 gegründet. Gründungsidee war die Unterstützung eines Straßenkinderprojektes, das von jungen Senegalesen geleitet wird. Wir unterstützen die medizinische Erstversorgung und die Beschaffung von Kleidung und Spielgeräten. Mehrfach haben wir Reisen in den Senegal unternommen, um uns vor Ort ein Bild von der Situation zu machen und mit den senegalesischen Partnern die Möglichkeiten zur
Unterstützung zu besprechen.

Der Senegal liegt im äußersten Westen Afrikas im Übergang der Sahelzone zu den
Tropen. Östliches Nachbarland ist Mali. Im Norden bildet der Senegalfluss die Grenze
zu Mauretanien, Nachbarländer im Süden sind Guinea, Guinea-Bissau und Gambia. Dakar, die Hauptstadt, liegt auf der Kap-Verde-Halbinsel an der Atlantik-Küste. Sie ist die größte Stadt des Landes und die am weitesten westlich gelegene Stadt Kontinentalafrikas. Saint-Louis, die alte Kolonialhauptstadt, liegt im Nordwesten an der Mündung des Flusses Senegal. Im Senegal leben 14,3 Mio. Menschen. Im Jahr 1960 erlangte das Land die Unabhängigkeit von Frankreich.

St. Louis: Hier leben die so genannten Talibés, Jungen im Alter von 4-18 Jahren, die aus ländlichen Gegenden des Senegal kommen. Arme Familien übergeben sie an Marabouts,
selbsternannte Lehrer, die den Kindern den Koran und die arabische Schrift beibringen. Die Kinder leben in Hinterhöfen auf dem blanken Boden, meist ohne ein Dach über dem Kopf. Sie besitzen oft nur die Kleider, die sie am Leib tragen. Ihr Essen müssen sie sich tagtäglich auf der Straße erbetteln – für sich und den Marabout. Fließendes Wasser und Toiletten sind die Ausnahme, Krankheiten und Verletzungen an der Tagesordnung. Schulische Bildung und damit Zukunftsperspektiven bleiben den Kindern vorenthalten.