Schlagwort-Archive: Kolonialismus

Wissensproduktion in kolonialer Verstrickung

Veranstaltungsreihe Postkolonialismus

Wissensproduktion in kolonialer Verstrickung

Vortrag und Diskussion mit
Katrin Metzger, Jan Bartsch und Hanna Prautzsch (Studierende der Kultur- und Sozialanthropologie)

Alltäglich begegnen uns koloniale Stereotype über das ‚Fremde‘. Doch auch die Wissenschaft
hat in ihren Verstrickungen in koloniale Politik, Verwaltung und Wirtschaft zu diesen
Vorurteilen beigetragen. Die Kultur- und Sozialanthropologie und ihre Vorläufer spielten dabei
eine besonders große Rolle, wie ein Blick in die Marburger Fachgeschichte zeigt. An diesem
Beispiel sollen Schlaglichter auf die Verbindungen der Disziplin mit dem Kolonialgedanken
und ihren Folgen geworfen werden. Wie kann eine Aufarbeitung stattfinden? Wie kann heute
über Kultur gesprochen werden, ohne sich kolonial geprägter Muster zu bedienen?

Drei Studierende des Masters Kultur- und Sozialanthropologie Katrin Metzger, Jan Bartsch und Hanna Prautzsch haben dazu ein Jahr lang ihr Fachgebiet erforscht.

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Marburger Forum für entwicklungspolitische und interkulturelle Themen in Kooperation mit ARBEIT und LEBEN Marburg (AG von DGB und vhs)

Die Veranstaltungen werden gefördert durch den Katholischen Fonds, Brot für die Welt und das Land Hessen. Gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des BMZ. Für den Inhalt ist allein die Initiative Solidarische Welt verantwortlich.

Postkoloniale Kontinuitäten im Alltag

Veranstaltungsreihe Postkolonialismus

Postkoloniale Kontinuitäten im Alltag

Vortrag und Diskussion mit
Kizito Odhiambo

 

Die Zeit der Kolonialisierung liegt hinter uns, doch postkoloniale Machtstrukturen manifestieren sich bis in unsere Gegenwart. Koloniale Herrschaftsverhältnisse haben zu massiven Umwälzungen in den betroffenen Regionen der Welt geführt und prägen (bzw. unterdrücken) die ‚Entwicklung‘ der so entstandenen Nationen bis heute. Auch in Deutschland sind diese Effekte tagtäglich spürbar. Durch die Auseinandersetzung mit der Normalität des Rassismus im Alltag, nähern wir uns dem postkolonialen Diskurs an und thematisieren verschiedene Erscheinungsformen von Rassismus, indem wir erkennen wie dieser im (Post-) Kolonialismus wurzelt. Dabei ist der Vortrag nicht darauf ausgelegt, möglichst umfassende postkoloniale theoretische Kenntnisse zu vermitteln, sondern sie als Anschauungsmaterial zu nutzen, um ihre Kontinuitäten durch das System von Rassismus wahrzunehmen und zu reflektieren.

Kizito Odhiambo ist Bildungsreferent mit den Schwerpunkten Globales Lernen und Rassismus.

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Marburger Forum für entwicklungspolitische und interkulturelle Themen in Kooperation mit ARBEIT und LEBEN Marburg (AG von DGB und vhs)

Die Veranstaltungen werden gefördert durch den Katholischen Fonds, Brot für die Welt und das Land Hessen. Gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des BMZ. Für den Inhalt ist allein die Initiative Solidarische Welt verantwortlich.

 

Neue Veranstaltungsreihe des Weltladens „Postkolonialismus“ im Frühjahr 2018

Am 25. April startet die neue Veranstaltungsreihe des Weltladens. Sie widmet sich mit verschiedenen Vorträgen dem Thema Postkolonialismus.

Das komplette Programm steht hier zum Download bereit.

Der Begriff Postkolonialismus könnte in einem zeitlichen Sinne so verstanden werden, dass der Kolonialismus vorbei und abgeschlossen sei. Dem ist aber nicht so, im Gegenteil: Die langfristigen Auswirkungen, Kontinuitäten und Folgewirkungen kolonialer Strukturen und Politik prägen global immer noch nachhaltig und schwerwiegend Ökonomie, Gesellschaft, Kultur und Politik. Nicht zuletzt sind Rassismus und rassistische Stereotype und Denkmuster gerade in den Gesellschaften der ehemaligen Kolonialmächte bzw. Europas nach wie vor weit verbreitet. Postkoloniale Theorien beschäftigen sich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts mit dieser Kontinuität und dem vielfältig verwendeten Begriff Postkolonialismus in ganz unterschiedlichen Wissensgebieten. Diese Theorien stehen dabei immer in Verbindung mit einem klaren emanzipatorischen Interesse an Veränderung: Immer geht es um die Dekolonialisierung sowohl des Denkens als auch der Strukturen, verstanden als ein nötiger und langer Prozess. Für uns als Weltladen, der im Wesentlichen von als Weiß konnotierten und europäischen Menschen getragen wird, kann das Ziel dieser Veranstaltungsreihe aber dementsprechend nicht primär Emanzipation lauten. Vielmehr stehen die kritische Bewusstwerdung über die eigenen Privilegien, die eigene Rolle in einem komplexen System von Privilegien und über eigene stereotype Denkmuster im Vordergrund.

Veranstaltungsreihe Tourismus: Wessen „Platz an der Sonne“*?! Wie Kolonialismus uns noch heute auf Fernreisen begleitet

Bild: Andrew Putter: ‚Lydia Logie‘ aus der Serie African Hospitality (2010) – Copyright Andrew Putter und Stevenson Gallery Johannesburg

Impulsvortrag und Workshop mit

Frauke Wiegand

– Begegnungen erleben und vom Erlebten erzählen –

Die frühen Fernreisen von europäischen Kolonialreisenden, Missionaren und Forschungsreisenden waren oft mit physisch wie intellektuell gewaltsamen Praktiken verbunden. Diese haben nicht nur die Welt und ihre Menschen kartographiert und zum Teil äußerst willkürlich bestimmte Wertigkeiten zugewiesen, sondern auch zu einem hartnäckigen Blick auf die bereisten Orte, Menschen und Dinge beigetragen, der uns noch heute auf Reisen, aber auch im Alltag und in vielen Medien, begleitet. Dieser ist eng mit Rassismus und Exotismus verwoben.
Warum wollen wir heute in die Ferne reisen? Wie erleben wir die Reise und wie tragen wir das Erlebte in unseren Alltag zurück?
In einem Impulsvortrag werden die Vorreiter der europäischen Fernreise in den so genannten Globalen Süden kurz angesprochen und auf wichtige theoretische, kritische Ansätze im heutigen Umgang mit diesen eingegangen. Diese Ansätze wollen wir dann in einem zweiten, interaktiven Teil des Abends gemeinsam nutzbar machen, vor allem auch in Bezug auf die Frage: Wer kann überhaupt reisen und wie können wir mit unseren Privilegien als Tourist*innen umgehen? Über Beispiele aus Kunst, Literatur und Film wollen wir uns dem Thema Reisen in den Globalen Süden nähern und schließlich unsere eigenen Reiseerfahrungen kritisch unter die Lupe nehmen.
Alle Teilnehmer*innen sind dazu eingeladen eigene Reiseaufzeichnungen, Fotografien, Videos, Briefe usw. mitzubringen.

*Zitat des Politikers Bernhard von Bülow zur Debatte über Kosten und Nutzen der deutschen Kolonisierung 1897 im deutschen Reichstag.

Frauke Wiegand, PhD, lebt in Berlin, wo sie als Kulturforscherin und freie Kommunikationsberaterin für soziale Projekte arbeitet. Nach einem Freiwilligendienst im südlichen Afrika studierte sie in Berlin Afrikawissenschaften und Publizistik. Sie ist zur Zeit Postdoktorandin an der Universität Kopenhagen, wo sie zuvor zum Thema Visuelle Kultur und Erinnerungsorte im Tourismus promoviert hat.

 

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In Kooperation mit Arbeit und Leben Hessen.
Die Veranstaltungen werden gefördert durch Brot für die Welt und das Land Hessen.
Gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des BMZ.
Für den Inhalt ist allein die Initiative Solidarische Welt verantwortlich.

Film: „Frankreich und seine Befreier“

Film: „Frankreich und seine Befreier“, Originaltitel: „La France et ses liberateurs“,
Frankreich 2009, Regie: Charles Onana, 90 Min., Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Auch wenn es sich hier um den Einsatz von Kolonialsoldaten durch Frankreich im Zweiten Weltkrieg handelt, so beginnt er doch mit der deutschen Kolonialgeschichte und verweist damit auf die Verursacher dieses und auch des Ersten Weltkriegs. Ausgangspunkt ist die Berliner
Konferenz von 1884, auf der die europäischen Kolonialmächte den Kontinent Afrika untereinander aufteilten und ihre Interessen dort anschließend mit brutaler Gewalt militärisch durchsetzten. Deutschland schreckte dabei auch nicht vor Massenmorden wie dem gegen die Herero zurück, an dem auch der Vater des späteren Nazi-Feldmarschalls Göring beteiligt war. Mit diesen und ähnlichen Verweisen z.B. auf die rassistische Hetze gegen afrikanische Kolonialsoldaten auf Seiten Frankreichs im Ersten Weltkrieg und die als „Rheinlandbastarde“ denunzierten Kinder, die aus Beziehungen von Afrikanern mit deutschen Frauen hervor gingen, steckt Onana den historischen Rahmen ab, der in den von Nazideutschland zu verantwortenden Zweiten Weltkrieg und den Einsatz Hunderttausender afrikanischer Kolonialsoldaten auf Seiten der Alliierten führte. Das Kollaborationsregime von Vichy und De Gaulles Aufruf zur „Verteidigung der Freiheit“ mit Hilfe der Kolonien, die Landung der Alliierten
in Nordafrika Ende 1942 und die Rekrutierung weiterer 250.000 Soldaten aus dem Maghreb für die Befreiung Europas werden ebenso chronologisch von Zeitzeugen geschildert, wie das Massaker von Thiaroye 1944 im Senegal und die Diskriminierung der Veteranen.