Schlagwort-Archive: Kolonialismus

Veranstaltungsreihe Tourismus: Wessen „Platz an der Sonne“*?! Wie Kolonialismus uns noch heute auf Fernreisen begleitet

Bild: Andrew Putter: ‚Lydia Logie‘ aus der Serie African Hospitality (2010) – Copyright Andrew Putter und Stevenson Gallery Johannesburg

Impulsvortrag und Workshop mit

Frauke Wiegand

– Begegnungen erleben und vom Erlebten erzählen –

Die frühen Fernreisen von europäischen Kolonialreisenden, Missionaren und Forschungsreisenden waren oft mit physisch wie intellektuell gewaltsamen Praktiken verbunden. Diese haben nicht nur die Welt und ihre Menschen kartographiert und zum Teil äußerst willkürlich bestimmte Wertigkeiten zugewiesen, sondern auch zu einem hartnäckigen Blick auf die bereisten Orte, Menschen und Dinge beigetragen, der uns noch heute auf Reisen, aber auch im Alltag und in vielen Medien, begleitet. Dieser ist eng mit Rassismus und Exotismus verwoben.
Warum wollen wir heute in die Ferne reisen? Wie erleben wir die Reise und wie tragen wir das Erlebte in unseren Alltag zurück?
In einem Impulsvortrag werden die Vorreiter der europäischen Fernreise in den so genannten Globalen Süden kurz angesprochen und auf wichtige theoretische, kritische Ansätze im heutigen Umgang mit diesen eingegangen. Diese Ansätze wollen wir dann in einem zweiten, interaktiven Teil des Abends gemeinsam nutzbar machen, vor allem auch in Bezug auf die Frage: Wer kann überhaupt reisen und wie können wir mit unseren Privilegien als Tourist*innen umgehen? Über Beispiele aus Kunst, Literatur und Film wollen wir uns dem Thema Reisen in den Globalen Süden nähern und schließlich unsere eigenen Reiseerfahrungen kritisch unter die Lupe nehmen.
Alle Teilnehmer*innen sind dazu eingeladen eigene Reiseaufzeichnungen, Fotografien, Videos, Briefe usw. mitzubringen.

*Zitat des Politikers Bernhard von Bülow zur Debatte über Kosten und Nutzen der deutschen Kolonisierung 1897 im deutschen Reichstag.

Frauke Wiegand, PhD, lebt in Berlin, wo sie als Kulturforscherin und freie Kommunikationsberaterin für soziale Projekte arbeitet. Nach einem Freiwilligendienst im südlichen Afrika studierte sie in Berlin Afrikawissenschaften und Publizistik. Sie ist zur Zeit Postdoktorandin an der Universität Kopenhagen, wo sie zuvor zum Thema Visuelle Kultur und Erinnerungsorte im Tourismus promoviert hat.

 

BMZ_CMYK_de   aul logo   land hessen logo
In Kooperation mit Arbeit und Leben Hessen.
Die Veranstaltungen werden gefördert durch Brot für die Welt und das Land Hessen.
Gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des BMZ.
Für den Inhalt ist allein die Initiative Solidarische Welt verantwortlich.

Film: „Frankreich und seine Befreier“

Film: „Frankreich und seine Befreier“, Originaltitel: „La France et ses liberateurs“,
Frankreich 2009, Regie: Charles Onana, 90 Min., Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Auch wenn es sich hier um den Einsatz von Kolonialsoldaten durch Frankreich im Zweiten Weltkrieg handelt, so beginnt er doch mit der deutschen Kolonialgeschichte und verweist damit auf die Verursacher dieses und auch des Ersten Weltkriegs. Ausgangspunkt ist die Berliner
Konferenz von 1884, auf der die europäischen Kolonialmächte den Kontinent Afrika untereinander aufteilten und ihre Interessen dort anschließend mit brutaler Gewalt militärisch durchsetzten. Deutschland schreckte dabei auch nicht vor Massenmorden wie dem gegen die Herero zurück, an dem auch der Vater des späteren Nazi-Feldmarschalls Göring beteiligt war. Mit diesen und ähnlichen Verweisen z.B. auf die rassistische Hetze gegen afrikanische Kolonialsoldaten auf Seiten Frankreichs im Ersten Weltkrieg und die als „Rheinlandbastarde“ denunzierten Kinder, die aus Beziehungen von Afrikanern mit deutschen Frauen hervor gingen, steckt Onana den historischen Rahmen ab, der in den von Nazideutschland zu verantwortenden Zweiten Weltkrieg und den Einsatz Hunderttausender afrikanischer Kolonialsoldaten auf Seiten der Alliierten führte. Das Kollaborationsregime von Vichy und De Gaulles Aufruf zur „Verteidigung der Freiheit“ mit Hilfe der Kolonien, die Landung der Alliierten
in Nordafrika Ende 1942 und die Rekrutierung weiterer 250.000 Soldaten aus dem Maghreb für die Befreiung Europas werden ebenso chronologisch von Zeitzeugen geschildert, wie das Massaker von Thiaroye 1944 im Senegal und die Diskriminierung der Veteranen.

Vortrag Afrikanische Kolonialsoldaten Frankreichs + Film: „Blutsbrüder – Soldaten des Empires“

Vortrag von Cheikh Djibril Kane: „Tirailleurs Sénégalais“ (Senegalschützen) Afrikanische Kolonialsoldaten Frankreichs
+ Film: „Blutsbrüder – Soldaten des Empires“ Originaltitel: „Frères de sang – Tirailleurs de l’Empire“, Frankreich 2008, Regie: Bernard Simon, 90 Min., Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Der Film erzählt die Geschichte der Rekrutierung von Soldaten in Afrika durch die Kolonialmacht Frankreich, die schon vor 150 Jahren unter Napoleon III. begann. Aus
dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung „Tirailleurs Sénegalais“, mit der die Franzosen seitdem all ihre Kolonialsoldaten aus Ländern südlich der Sahara titulierten, auch wenn diese – wie Hunderttausende im Ersten und Zweiten Weltkrieg – nicht aus dem Senegal stammten. In abgelegenen Gegenden West- und Zentralafrikas hat der Regisseur Veteranen aufgespürt, die für Frankreich Kriegsdienste leisteten – in Tunesien, in Italien, auf der Insel Elba sowie bei der Befreiung Europas vom Faschismus. Dazu referiert auch Cheikh Djibril Kane aus dem Senegal
über das Thema „Tirailleurs Sénégalais“: Militärische Einsätze, Ausgrenzung und Ausbeutung, Hoffnung auf Unabhängigkeit, Erinnerungen von Zeitzeugen, etc. Er schrieb seine Bachelorarbeit über dieses Thema und sein aktuelles Forschungsgebiet lautet „Frühe und neuste Zeitgeschichte und Kultur Afrikas“. Der 36-jährige lebt seit ca. 10 Jahren in Wuppertal, wo er momentan ein Masterstudium im Fachbereich Geschichte absolviert. Sein Vater leistete im Zweiten Weltkrieg Kriegsdienste.

Filme „Eine Frage der Ehre“ und „63 Years on …“

Film „Eine Frage der Ehre“ Originaltitel: „Baroud d’honneur“, Frankreich 2006, Regie: Grègoire Georges-Picot, 54 Min., Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Bild 1-Eine Frage der Ehre
60 Jahre nach Landung der alliierten Truppen in der Provence (1944) sind erstmals auch 15 afrikanische Veteranen, die daran teilgenommen hatten, zu den Gedenkfeierlichkeiten nach Frankreich eingeladen. Sie stehen stellvertretend für Zehntausende Afrikaner, die Europas vom Faschismus mitbefreiten. Die Kamera folgt zwei von ihnen, den Marokkanern El Ghazi Amnaye und Hammou Lhedmat. Es ist ihr erster Besuch in Frankreich seit dem Kriegsende und dabei erfahren sie, dass sie als Kriegsteilnehmer das Recht auf französische Pensionszahlungen hätten, wenn sie mindestens neun von zwölf Monaten im Jahr in Frankreich leben. So landen sie schließlich in einem der trostlosen Heime in Südfrankreich, in dem Dutzende alte Kämpfer aus Nordafrika verbittert und isoliert die Zeit totschlagen, um ihren Familien zu Hause mit den – nur in Frankreich ausgezahlten – Kriegsrenten das Überleben zu sichern. Der Film zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht nur Interviews mit seinen Protagonisten präsentiert, sondern die Kamera auch unaufdringlich die Gespräche der Veteranen untereinander aufzeichnet, die ihre Zerrissenheit zwischen dem französischen Exil und der afrikanischen Heimat eindrucksvoll dokumentieren.

Film „63 Years on …“ Südkorea 2008, Regie: Kim Dong-Won, 60 Min, Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Bild 2-63 Years On
Mit bewegenden Interviews und beeindruckendem Archivmaterial dokumentiert der Film die sexuelle Versklavung Hunderttausender Frauen durch die japanischen Streitkräfte während des Zweiten Weltkriegs in Asien und der Pazifikregion. Beispielhaft werden fünf Betroffene aus China, Korea, den Philippinen und den Niederlanden vorgestellt. (Die indonesischen Inseln waren bis zum japanischen Einmarsch eine niederländische Kolonie.) Die von den japanischen Besatzern zynisch als „Comfort Women“ („Trostfrauen“) titulierten Opfer berichten von ihrer Verschleppung, ihrem qualvollen Alltag in den Militärbordellen und ihrem Leben in den 63 Jahren danach. Der Film wurde 2008 mit dem „Asia Pacific Screen Award“ als beste Dokumentation ausgezeichnet und erhielt weitere Auszeichnungen auf internationalen Festivals.

Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ in Marburg

Die große Fassung der Wanderausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ wird von 11. November bis 18. Dezember in Marburg gezeigt. Ausstellungsort ist das Foyer des Hörsaalgebäudes der Philipps Universität Marburg. Das Marburger Projekt „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ des Marburger Weltladens setzt sich mit dieser einzigartigen und inhaltsreichen  Ausstellung fort.

mehr