Schlagwort-Archive: Rassismus

Veranstaltungsreihe Tourismus: Voluntourismus – Ein Reisetrend zwischen Wohltätigkeit, Lifestyle und Ausbeutung

Vortrag und Diskussion mit

Benjamin Haas (Universität Köln)

„Die Welt entdecken und Gutes tun“ – lautet der Werbeslogan einer großen Reiseagentur. Neben dem Around-the-World-Ticket kann man dort ein paar Wochen Freiwilligenarbeit in einem so genannten Entwicklungsland direkt aus dem Katalog buchen. „Voluntourismus“, wie der Reisetrend heißt, verspricht eine „außergewöhnliche Erfahrung“ bei der man helfen kann, „die Lebensumstände der Bevölkerung zu verbessern“. Dieses Konzept erfreut sich immer mehr Beliebtheit quer durch die deutsche Gesellschaft. Es scheint den Nerv des Lifestyles im neo-liberalen und individualisierten Zeitalter perfekt zu treffen. Kurzfristige und Profit-orientierte Modelle der Freiwilligenarbeit werfen jedoch nicht nur Fragen zu verantwortungsvollem Reisen und Kindesschutz auf, sondern laufen unter anderem Gefahr, Engagement einer Marktlogik zu unterwerfen und altbekannte Bilder wohltätiger, weißer „Expert_innen“ zu reproduzieren.
Der Vortrag nimmt eine postkolonial-inspirierte Analyse des Phänomens „Voluntourismus“ vor und gibt dabei Einblicke in Geschichte, Ausmaß, Konzepte und Problematiken des Reisetrends.

Benjamin Haas, Jahrgang 1984, hat Lateinamerikanistik und Kulturanthropologie studiert. Er  promoviert an der Professur für Sozialpolitik & Methoden der qualitativen Sozialforschung der Universität zu Köln. Einer seiner Forschungsschwerpunkte sind internationale Freiwilligendienste, die er im Spiegel postkolonialer Theorieansätze untersucht.

 

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In Kooperation mit Arbeit und Leben Hessen.
Die Veranstaltungen werden gefördert durch Brot für die Welt und das Land Hessen.
Gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des BMZ.
Für den Inhalt ist allein die Initiative Solidarische Welt verantwortlich.

Veranstaltungsreihe Tourismus: Der Blick auf das Fremde

Foto: „Die Eroberer“ (Copyright: Rosaly Magg)

Vortrag und Diskussion mit

Rosaly Magg, informationszentrum 3. Welt (iz3w)

Die Fremde im Sucher – Der fotografische Blick auf Reisen

Auf vieles kann man auf Reisen verzichten, nur selten auf den Fotoapparat. So gehört die Reisefotografie zu den beliebtesten Genres. Manche Kritiker vertreten die Position, dass dabei vor allem ästhetische Klischees (re)produziert werden, wie man sie etwa aus der Touristikwerbung kennt. Andere behaupten, dass der Fotoapparat davor schützt, sich auf das Fremde wirklich einzulassen. In jedem Fall geht es bei der Reisefotografie darum, Erinnerungen festzuhalten, Stimmungen einzufangen, Menschen und „schöne Orte“ zu dokumentieren – und zu zeigen, dass man „da gewesen“ ist.

Vielfältige Motive lassen uns auf Reisen zur Kamera greifen, und manchmal geraten wir in peinliche Situationen, stoßen auf Fotografierverbote und -tabus, müssen uns mit rechtlichen wie mit moralischen Fragen auseinandersetzen, ob man ein Foto machen darf oder nicht. Warum fotografieren wir auf Reisen? Wie nehmen wir die oder das Fremde wahr? Welche Fallstricke birgt das touristische Fotografieren? Und wie groß ist das Un-Behagen in den Kulturen, wenn die Fremde(n) zum „Objekt“ werden?

Das Eigene und das Fremde sind zwei Seiten derselben Medaille. Das Bild vom Selbst wird in Abgrenzung zum Anderen hergestellt – auch in der Fotografie. Und genau hier setzen exotistische, sexistische und rassistische Projektionen ein: Sei es bei historischen Dokumenten aus der Kolonialzeit wie beispielsweise „Haremsphantasien“ oder bei stereotypen Bildern aus aktuellen Fernreisekatalogen, die die „unberührte, wilde Landschaft“ und das „jungfräuliche Entdecken“ immer noch als Grundsäulen des Tourismus stilisieren. Das touristische Fotografieren trägt bis heute koloniale Züge, indem die Fotografierenden sich eine innerlich und äußerlich hergerichtete Welt aneignen, als Beweis und Kontrolle des Dagewesenseins, als Trophäe.

 

Zur Person:
Rosaly Magg ist Germanistin und Ethnologin und arbeitet seit 2002 im informationszentrum 3. welt – iz3w – in Freiburg, bis 2005 auch als Projektmitarbeiterin von FernWeh – Forum Tourismus & Kritik. FernWeh ging den Zusammenhängen zwischen Tourismus, Kultur und Rassismus nach und beleuchtete die sozialen und ökonomischen Folgen der Erschaffung von Urlaubsparadiesen.

Außerdem gibt sie regelmäßig Seminare am Institut für Völkerkunde an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Gender, Migration, Tourismus und Fotografie.

In Kooperation mit Arbeit und Leben Hessen. Die Veranstaltungen werden gefördert durch Brot für die Welt und das Land Hessen. Gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des BMZ.
Für den Inhalt ist allein die Initiative Solidarische Welt verantwortlich.

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Lesung von „The unruly passenger“

Buchvorstellung und Diskussion
(in englischer Sprache) mit

Muriel Mben (Autorin)

Muriel Mben liest aus ihrer Kurzgeschichte “The unruly passenger”. Ugochi Emeka ist eine junge Frau aus Nigeria. Sie hat in Deutschland studiert und sich später in Gießen selbstständig gemacht. Eines Morgens stellt sie fest, dass sie nicht genug warme Kleidung für diesen kalten Winter hat. Sie entschließt sich nach Frankfurt zu fahren, um neue Kleidung zu erwerben. Bei dieser Fahrt muss sie jedoch einige schlechte Erfahrungen machen: Diese reichen von einem Treffen mit einer rassistischen Verkäuferin bis zu einer Begegnung im Zug. Muriel Mben erzählt vom Leben in Deutschland aus der Perspektive einer schwarzen Frau. Ihr Ziel ist es, die Leser*innen darauf aufmerksam zu machen, wie es ist, als Ausländerin mit Diskriminierung umzugehen.

Muriel Mben ist in Kamerun geboren und lebt seit 6 Jahren in Deutschland. Sie studiert im Master Kultur -und Sozialanthropologie an der Universität Marburg. Ihre erste Kurzgeschichte „La dernière pluie“ wurde 2014 in Frankreich veröffentlicht. “The Unruly Passenger” (2015) ist ein Beitrag in einer Reihe von Kurzgeschichten.

Film: „Blues March“

Film: „Blues March“, Deutschland 2009, Regie: Malte Rauch, 78 Min.

Der Film erzählt die Geschichte des mittlerweile 87-jährigen Jazz-Musikers Jon Hendricks, der als Mitbegründer des Gesangstrios Lambert, Hendricks & Ross Weltruhm erlangte. Hendricks stand mit Jazzgrößen wie Louis Armstrong, Duke Ellington und Miles Davis auf der Bühne und sein unvergleichlich swingender Gesangstil beeinflusste auch die Beatles und die Rolling Stones. Der Film erzählt jedoch nicht nur von dem Musiker Jon Hendricks mit entsprechend swingendem Soundtrack (von Emil Mangelsdorff und Thilo Wagner), sondern im Mittelpunkt stehen seine Erfahrungen als sog. „Negro Soldiers“ (so der Titel von Frank Capras bekanntem Film, mit dem die US-Regierung im Zweiten Weltkrieg schwarze Soldaten anwarb). Hendricks war damals bereit, für die Befreiung der Welt vom Rassenwahn der Nazis zu kämpfen, musste jedoch
feststellen, dass schwarze Soldaten auch in den US-Streitkräften „wie Sklaven auf der Plantage“ behandelt wurden. Als schließlich weiße US-Militärpolizisten auf ihn und andere schwarze US-GIs schossen, desertierte Hendriks aus der Armee und führte fortan seinen ganz eigenen Krieg.

Film und Diskussion mit Katharina Oguntoye: Schwarze im Nationalsozialismus

Film und Diskussion mit Katharina Oguntoye: Schwarze im Nationalsozialismus
Film: „Black Survivors of the Holocaust“, Großbritannien 1997, Regie: M. Shewa u. D. Okuefuna, 90 Min., Englisch mit deutschen Untertiteln

Wie lebten Menschen mit afrikanischen Wurzeln im Deutschland der 1930er Jahre und was mussten sie in dieser Zeit erleiden und erdulden? Darüber ist im Lande weitgehend wenig bekannt. Die BBCDokumentation „Black Survivors of the Holocaust“ bringt diese Wirklichkeit
in Interviews und raren Originalfilmdokumenten ans Licht. Der Regisseur David Okuefuna und der Produzent Moise Shewa (Afro-Wisdom Productions) haben mit ihrer hervorragenden Recherche ein Filmdokument von unschätzbarem Wert geschaffen, in dem sie für kommende
Generationen die Stimmen von Zeitzeugen und Nachkommen der Afro-deutschen und Afrikaner*innen festgehalten haben. Der Film wird von der Berliner afro-deutschen Historikerin
Katharina Oguntoye präsentiert. Sie ist Mitautorin und Mitherausgeberin des ersten Buches über Afro-deutsche: „Farbe bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte“ (Berlin 1986). Sie leitet seit 20 Jahren den von ihr mitgegründeten interkulturellen Verein „Joliba
e.V.“ in Berlin. Die Historikerin mit nigerianisch-deutschen Wurzeln veröffentlichte 1997 ihre bahnbrechende historische Arbeit „Eine afro-deutsche Geschichte. Zur Lebenssituation von AfrikanerInnen und Afro-Deutschen von 1884 bis 1950“. Im Anschluss an die Präsentation und
Vorführung des Filmes beantwortet Katharina Oguntoye Fragen des Publikums.