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FÄLLT AUS! Lieferkettengesetz! Vortrag von Sebastian Philipp (Micha-Lokalgruppe Marburg)

VORTRAG FÄLLT AUS!!

Leider müssen wir den Vortrag von Sebastian Philipp von der Micha-Initiative Marburg zur Kampagne für ein Lieferkettengesetz am kommenden Mittwoch absagen. Bei unseren Veranstaltungen im Weltladen wird es meist sehr voll. Das freut uns ansonsten zwar sehr, wäre in der gegenwärtigen Situation aber nicht zu verantworten.

Wer nun zu Hause sitzt und sich trotzdem über die Kampagne und das Thema informieren möchte, kann das z.B. unter www.lieferkettengesetz.de tun.

Wir werden natürlich rechtzeitig über einen Ersatztermin informieren.

Initiative für ein Lieferkettengesetz

Im April jährt sich der Einsturz des Fabrikgebäudes „Rana Plaza“ in Sabhar, Bangladesch, bei dem 1135 Menschen ums Leben kamen, zum siebten Mal. Da in diesem Gebäude auch Kleidung für den europäischen Markt produziert wurde, trat dieser Vorfall eine Diskussion über die Verantwortung von Unternehmen entlang ihrer Lieferkette los. Seither kam es zu weiteren, ähnlichen Vorfällen. Im vergangenen Jahr bildete sich nun ein weites Bündnis mit der Forderung an die Bundesregierung, ein effektives Lieferkettengesetz zu beschließen. Eine der Forderungen des Bündnisses, in der Gruppierungen wie Brot für die Welt, Greenpeace, Oxfam, der Weltladen-Dachverband und Micha Deutschland vertreten sind, ist es, dass Unternehmen dazu verpflichtet werden, in der gesamten Wertschöpfungskette Sorgfalt walten zu lassen.

Über den Hintergrund, die Forderungen und die nächsten Schritte der Lieferkettengesetzinitiative wird an diesem Abend Sebastian Philipp von der Micha-Lokalgruppe Marburg in einem Vortrag informieren.

Nach dem Vortrag wird es Raum für Diskussion und Rückfragen geben.

Der Eintritt ist frei, um Spenden für die Kampagnenarbeit wird gebeten.

Giftige Chemikalien in der Textilproduktion – Vortrag von Hanno Groth

Veranstaltungsreihe Textilien untragbar?! – Produktion, Konsum und Alternativen

Bekleidung kommt während der Produktion mit unzähligen Chemikalien in Berührung. Weichmacher, Flammschutzmittel, Azofarben, PFC, Chlorbenzole, Schwermetalle wie Chrom und Cadmium und vieles, vieles mehr. Ein großer Teil dieser verwendeten Stoffe stellt eine große Gefahr für Umwelt und Gesundheit dar. Vor allem in den Herstellungsländern reichern sie sich in der Umwelt, aber auch im menschlichen Körper an. Als Abwasser gelangen sie in den Wasserkreislauf. Die in vielen Ländern sowieso schon knappe Ressource Frischwasser wird so stark gefährdet.

Der Großteil der globalen Textilproduktion findet mittlerweile in Asien statt. Aber natürlich stellen die Gifte auch ein Risiko für die Verbraucher*innen dar. Die Detox-Kampagne von Greenpeace fordert Modemarken und Textilindustrie zum Entgiften auf und zeigt, dass es Alternativen gibt. Und die Kampagne hat Erfolg, erste Marken haben sich bereits verpflichtet in Zukunft giftfrei produzieren zu lassen.

Der Referent Hanno Groth ist aktiv in der Detox-Kampagne von Greenpeace

Interaktiver Nachmittag: Siegel-Dschungel und Reparier-Werkstatt für Textilien

Orientierung im Siegel-Dschungel
Anhand ihrer Präsentation wirft Maria Hartmann einen kritischen Blick auf Textilsiegel und deren Bedeutung. Diese können im Anschluss diskutiert werden.
Maria Hartmann ist aktiv in der Bildungsgruppe êpa!
Repair-Werkstatt für Textilien
Nach dem Vortrag gibt es die Möglichkeit in einer Reparier-Werkstatt im Weltladen  mitgebrachte Textilien gemeinsam zu reparieren und Makel auszubessern. Mit fachlicher Unterstützung von Stephanie Kleindopf vom Weidenhäuser Nähstübchen können
mit einfachen Mitteln Risse und Löcher in Kleidung ausgebessert und auch Anregungen zum kreativen (Um)Gestalten mitgenommen werden… ganz ohne Nähmaschine.
Stephanie Kleindopf kommt aus dem Weidenhäuser Nähstübchen.

Alternativen zur Baumwolle – Führung mit Dr. Kerstin Demuth

 Veranstaltungsreihe Textilien untragbar?! – Produktion, Konsum und Alternativen

Wenn es um Pflanzenfasern geht, steht die Baumwolle an erster Stelle. Doch schon in der frühesten Menschheitsgeschichte wurden Fasern unterschiedlicher Pflanzen zur Herstellung

von Kleidung und Haushaltsgegenständen genutzt. Welche Pflanzen dabei Verwendung fanden und welche Geschichten hinter solchen Pflanzen stecken, soll die Führung von Dr. Kerstin Demuth aufzeigen.
Dr. Kerstin Demuth studierte Biologie in Marburg und promovierte im Fach Botanik. Anschließend war sie im Naturschutz tätig. Seit 2001 arbeitet sie in der Grünen Schule des Botanischen Gartens Marburg, deren Leiterin sie seit 2009 ist.

Die Führung findet in der Grünen Schule im Neuen Botanischen Garten Marburg (Karl-von-Frisch-Straße) statt!

Marburger Forum für entwicklungspolitische und inter-kulturelle Themen in Kooperation mit    ARBEIT und LEBEN Marburg (AG von DGB und vhs)

aul logo

Die Veranstaltungen werden gefördert durch Brot für die Welt, den Katholischen Fonds und das Land Hessen. Gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des BMZ. Für den Inhalt ist allein die Initiative Solidarische Welt verantwortlich.

Vortrag Zehra Khan: „Tödliche Textilfabriken in Pakistan“

Am 11. September 2012 verbrannten in Karatschi/Pakistan 259 Arbeiter_innen in einer Fabrik, die fast ausschließlich für den deutschen Discounter KiK produzierte. Nicht ohne Grund wird der Tag in Pakistan „Industrial 9/11“ genannt. Kurz danach starben kamen bei einem Brand bei Tazreen Fashion in Dhaka/Bangladesch über 100 Menschen. Wieder ging es um Jeans und Shirts für deutsche, europäische und amerikanische Märkte. Ein halbes Jahr später folgte der Zusammensturz der Rana Plaza-Fabrik in Dhaka/Bangladesch, bei dem über 1000 Menschen ihr Leben verloren.
Noch immer kämpfen die Hinterbliebenen und Arbeiter_innen um angemessene Entschädigung und die Anerkennung ihres Leids. In den Fällen wo Unternehmen Zahlungen leisteten taten sie dies ohne Eingeständnis einer Schuld, ohne jegliche weitere Verpflichtung. Sie traten auf als freiwillige gutmütige Gönner. Auch mehr als 2 Jahre nach den Unglücken sind tiefgreifende Veränderungen bisher ausgeblieben. Am Arbeits- und Lebensalltag der Arbeiter_innen hat sich kaum etwas geändert. Ein Blick nach Pakistan zeigt, dass noch immer Millionen Arbeiter_innen in der Textilindustrie unter menschenunwürdigen Bedingungen schufften. Überstunden sind die Regel, Gewerkschafter_innen werden unter Druck gesetzt und die Bildung von Gewerkschaften erschwert. Kein Textilunternehmen, auch kein deutsches, wurde bisher für die Katastrophen und ihre Folgen juristisch verantwortlich gemacht. Und wir müssen auch die Frage nach unserer Verantwortung stellen. Denn wir sind nach wie vor, auch wenn wir das gar nicht sein wollen, die letzten Auftraggeber_innen der globalen Produktions- und Verwertungsketten.

Zehra Khan ist Generalsekretärin der pakistanischen Homebased Women Workers Federation (HBWWF) mit Sitz in Karachi/Pakistan und hat intensiv zu den Lebens- und Arbeitsbedingungen informeller Arbeiterinnen in den Slums der 20-Millionen-Metropole geforscht. Sie verbindet in ihrer Arbeit zwei Perspektiven: der feministische Bezug auf die Situation der Frauen in einer muslimischen Gesellschaft und die Konkretion dieses Feminismus im gewerkschaftlichen Bezug auf die Rechte insbesondere von Arbeiterinnen. Die HBWWF existiert seit 2009 und ist die offizielle gewerkschaftliche Vertretung von Heimarbeiterinnen. Sie zählt mittlerweile rund 4000 Mitglieder hauptsächlich in Karatschi und Lahore und kooperiert dabei eng mit der National Trade Unions Federation (NTUF), einer der wichtigsten pakistanischen Gewerkschaftsorganisationen.

Die wichtige Rolle, die beide Organisationen heute in sozialen Auseinandersetzungen spielen, kam besonders nach dem Großfeuer in der Textilfabrik Ali Enterprises zum Tragen, bei dem am 11. September 2012 über 259 Arbeiterinnen und Arbeiter bei lebendigem Leib verbrannten. NTUF und HBWWF stellten sich sofort an die Seite der Opfer und Hinterbliebenen. Zehra Khan wurde zu einer Sprecherin des Workers Rights Movement (WRM), in dem die Überlebenden von Ali Enterprises um ihr Recht auf volle Entschädigung, aber auch für die Verbesserung der Sicherheit ihrer Arbeitsplätze und natürlich die grundlegende Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen streiten.